SEI SELBER DIE LATERNE

SWR2 Feature am Sonntag

„Sei selber die Laterne“

Das schillernde, konsequente Leben und Werk des Widerstandskünstlers Fred Denger | Von Hannelore Hippe

Grillhähnchen

„Mein Hühnerbein, wann wirst du mein“ – Liebesvers von Fred Denger (zwölfmal verheiratet)

Niemand kennt Fred Denger, dabei hat er ein umfangreiches Lebenswerk hinterlassen. Als junger Mann kämpfte er in einer skurrilen Widerstandsgruppe gegen die Nazis, verfasste danach engagierte Dramen und schrieb zahlreiche Romane. Sein bekanntestes Theaterstück ist „Langusten“, das mit der großen Durieux Erfolge feierte. Dann machte er Karriere als Drehbuchautor: „Der Ölprinz“ und „Der unheimliche Mönch“, Filme nach Karl May und Edgar Wallace. Bis er schließlich ins Wendland zog und zu einer Lichtgestalt der Anti-Atommüllbewegung wurde. Da hatte er bereits das Alte Testament in den Jargon des späten 20. Jahrhunderts übertragen. Den Erfolg seines „Großen Boss“ erlebte er nicht mehr. Denn er fiel vorher besoffen die Treppe runter. Der Tod erlöste ihn auch von der Suche nach der richtigen Frau – nach zwölf Ehen. Hannelore Hippe erinnert mit Hilfe von Weggefährten Dengers an einen außergewöhnlichen Menschen.

 

MIT FRAUKE POOLMAN& MATTHIAS HABICH

So, 21.12.2014 | 14.05 Uhr

Rositas Haut

Rosita cover

Ein Mosquito wird nach einem Tod als Mensch wiedergeboren.So kann er von seiner wunderbaren und fatalen Liebesgeschichte zu Rosita erzählen. Diese Liebe hat, wie jede Liebe, unglaubliche Folgen. Esther Vilar verführt humorvoll, tiefgründig und erotisch.

Reinhören:

Otto Mötö. Im Universum finnischer Motorenmusik

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste benennt „Otto Mötö. Im Universum finnischer Motorenmusik“ zum Hörspiel des Monats.

Das Leben auf dem Land ist vieles.  Ruhig ist es nicht.  Das Hörstück „Otto Mötö“ der Berliner Komponistin,  Musikerin und Hörspielmacherin Gabi Schaffner widmet sich Leben und Werk eines Komponisten, der mit  seinen Tonbandgeräten den Lärm des Landlebens erforscht hat: Martti Mauri. Der Komponist war, wenn man Gabi Schaffner glauben will, Angestellter eines Elektrizitätswerks auf der finnischen Halbinsel Kuokkala bei Jyväskyla und ein wichtiger Vorläufer der Industrialmusik.

 

Die Begründung der Jury

Mauri habe Field-Recordings von Autorennen sowie Aufnahmen von modifizierten Ottomotoren und Gartengeräten für seine Kompositionen verwendet. Detailgenau mit hohem begrifflichem Aufwand erklärt Schaffners Hörspiel die Ästhetik von Mauris Maschinenmusik und ihr Verhältnis zur Neuen und populären Musik in ganz Europa.

Echte Musiker geben Komponistenkollegen und erzählen in diesen Rollen auskunftsfreudig Anekdoten aus dem Leben des „unbekannten“ Genies. Bis sich der Verdacht erhärtet, dass hier etwas nicht stimmt. Denn die Äußerungen der Kritiker, Freunde und Zeitgenossen klingen wie ein im Leerlauf hochdrehender Motor, und die vermeintlich authentischen Interviews, die das Leben Mauris nachzeichnen sollen, hören sich viel zu gespielt an, um echt zu sein.

Das Porträt des Martti Mauri, das mit den Stilmitteln des journalistischen Features arbeitet, ist eine klug komponierte Fälschung. Zum Vergnügen aller, die den aktuellen Hype um das Dokumentarische kritisch sehen und zur Freude derer, die sich für Geräuschmusik begeistern.

Gabi Schaffners erste Regiearbeit nach einer Idee von Martin Moritz versammelt eine Gruppe zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten, die ihre je eigene Welt der Geräusche schaffen. Die Maschinenmusiken des „Martti Mauri“ wurden von insgesamt acht Komponisten und Bands aufgenommen, geschrieben und gemischt. Und diese Kompositionen setzen dem Prinzip des Explosionsmotors nach Nicolaus August Otto ein klangvolllärmendes Denkmal.

 

Otto Mötö. Im Universum finnischer Motorenmusik
Aus den Archiven des Martti Mauri (1935 – 2003)
von Gabi Schaffner
Realisation: Gabi Schaffner
Dramaturgie und Redaktion: Peter Liermann
Produktion: hr 2012
Erstsendung: 19.08.2012
Länge: 58’40“

Mit FRAUKE POOLMAN & H.WINKELMANN

„MARIENBADER INTRIGEN“ Szenische Lesung

16.September 2012 im Kellertheater der Oper, Leipzig

Aus Rolf Schneiders Werk „Unsterblichkeit“ stammen die „Marienbader Intrigen“,
ein fiktiver Briefwechsel zwischen Friedrich von Gentz, dem Publizisten und
preußischen Kriegsrat, Gegenspieler Napoleons und Vordenker Europas, und der berühmten polnischen Pianistin Maria Szymanowska. Jene gastierte auf ihren Konzertreisen bisweilen auch im idyllischen Kurort Marienbad, in dem „der bedeutende Goethe aus Sachsen seine Kuren wider das Alter unternimmt“. Die Klavier-Virtuosin Szymanowska machte großen Eindruck auf Goethe: „Ich verdanke ihr sehr viel, sie half mir mich selbst wieder finden.“ Friedrich von Gentz soll kein
sonderlicher Goethe-Freund gewesen sein. Eine herrliche Intrige voll ironischer und
perfekter Hinterhältigkeit. Intelligenter Klatsch und Tratsch über Goethe und seine
amourösen Abenteuer.

Besetzung: Friedrich von Gentz  – Friedhelm Eberle,  Maria Szcymanowska –  Frauke Poolman

Am Flügel:  Susanne Barnkoth

Marienbacher Intrigen - Bild 7

marienbader Intrigen - Bild 14

Frauke Poolman